„Dresden in Marburg“

Am 06.02.10 fand in Marburg eine Spontandemonstration unter dem Motto „Gegen Geschichtsrevisionismus und den Naziaufmarsch in Dresden“ statt.
Einige TeilnehmerInnen dieser Veranstaltung nahmen das Motto zum Anlass, ihre Kritik an eben diesem im Flyer angesprochenen Geschichtsrevisionismus durch das Zeigen einer Royal Air Force und einer Israelfahne auf die Straße zu tragen. Das Zeigen dieser Symbole führte unter einem Personenkreis auf der Demonstration zu Unmut. Ihrer Meinung nach sei das Zeigen von Nationalfahnen nicht angebracht, auch nicht auf einer Demonstration zur dem Flyer entnehmbaren Thematik. Zu bemerken dabei ist, dass es sich unter anderem um Personen handelte, die mit dem Kufiya (umgangssprachlich auch „Palituch“ genannt) auf dieser Demonstration erschienen. Da entschieden abgelehnt wurde, die Fahnen wieder einzupacken, wurde die Demonstration von einigen Personen verlassen.
In Marburg und anderswo sind solche Vorfälle immer wieder in dieser oder vergleichbarer Form zu beobachten. Warum es gerade auf einer Demonstration, die mit ihrer Thematik Kritik an dieser speziellen Form des Geschichtsrevisionismus und dem damit verbunden Opfermythos üben will, nicht nur richtig, sondern auch notwendig ist, die eben erwähnten Symbole zu zeigen, soll in den nächsten Zeilen kurz gezeigt werden.
Der Dresdner-Geschichtsrevisionismus manifestiert sich jedes Jahr aufs Neue in der Umkehrung der Opfer-Täterrolle. Ein Großteil der bürgerlichen Gedenkveranstaltungen zielt einzig und allein darauf ab, der Welt zu zeigen, dass auch die Deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges gewesen sind. Einig sind sie sich dabei mit tausenden von Neonazis, die den Jahrestag der Bombardierung jedes Jahr als Anlass für einen der größten Naziaufmärsche in Europa nehmen. Die Alliierten, für die die Bombardierung Dresdens eine absolut notwendige Maßnahme in dem Vorhaben, die Welt von der deutschen Barbarei zu befreien, darstellte, werden sowohl auf den bürgerlichen Gedenkveranstaltungen als auch von den Neonazis, dämonisiert. Ihnen wird der Vorwurf gemacht einen enormen und nicht angebrachten Schaden an „Zivilbevölkerung“ im Krieg gegen Nazideutschland in Kauf genommen zu haben. Außer Betracht gelassen wird in diesem Zusammenhang gerne, dass zu dem Zeitpunkt des Eingreifens der Alliierten schon viele Millionen Menschen, die nicht in das Weltbild der Nazis passten, systematisch ermordet worden sind. Nicht auszudenken ist, welche Dimensionen diese Opferzahlen angenommen hätten, wenn die Alliierten mit einem Militärschlag dieser Vehemenz noch weiter gewartet hätten.
Das Gedenken der deutschen Opfer am Jahrestag der Bombardierung stellt die Quintessenz des revisionistischen Denkens dar. Durch das Gedenken an alle deutschen Opfer, die unter der Bombardierung in irgendeiner Form zu leiden hatten, wird die amerikanische wie die britische Luftwaffe zwangsläufig als Täter dargestellt. Die Shoa wird als Schuld einer kleinen Nazielite verkauft. Dass Millionen von Deutschen, und eben auch die, die von der Bombardierung Dresdens betroffen waren, durch handeln oder nicht handeln eine direkte Mitschuld an dem Vernichtungskrieg getragen haben, wird einfach nicht beachtet oder aber mehr oder weniger gekonnt umschrieben. Die Menschen, die von der Bombardierung Dresdens betroffen waren, waren keine „normalen, unschuldigen Deutschen“, sondern nichts weiter als ein Teil des deutschen Volkskörpers, der die Verantwortung für 6 Millionen ermordete Jüdinnen und Juden tragen muss.
Dieser Versuch, die Geschichte zu deutschen Gunsten zu inszenieren, ist nichts weiter als der Versuch, die Hände der Nation in Unschuld zu waschen und damit eine Ausgangsform für einen neuen, legitimierten Nationalismus zu schaffen.
Die Angriffe vom 13. und 14. Februar 1945 waren wichtige Schritte im Kampf gegen den deutschen Faschismus und haben schlussendlich auch ihren Teil zur Befreiung von der deutschen Gewaltherrschaft beigetragen.
Wenn an solchen Tagen die Fahne der Royal Air Force gezeigt wird, bedeutet dieses nichts anderes als eine Danksagung an die Befreier. Es ist eine Hommage an die Streitkräfte, denen wir noch heute für ihren Kampf gegen Nazideutschland danken. So, wie es im Schwur von Buchenwald heißt, denken auch wir bis heute: „Wir danken den verbündeten Armeen, der Amerikaner, Engländer, Sowjets und allen Freiheitsarmeen, die uns und der gesamten Welt Frieden und das Leben erkämpfen.“ [sic]
Personen, die Probleme haben, sich dieser Danksagung anzuschließen, sind auf einer antifaschistischen Veranstaltung, die an sich selber einen emanzipatorischen Anspruch stellt, definitiv fehl am Platz!
Dass die israelische Nationalfahne zu zeigen eine ebenso sinnvolle Maßnahme ist echte Kritik am Dresdner Opfermythos zu üben, versteht sich durch den antisemitischen Kern, der alle Gedenkveranstaltungen eines solchen Kalibers eint, von selbst. Nicht nur zu einem solchen Anlass drückt ihr Symbol die Notwendigkeit eines Staates, der als Schutzraum gegen eine nach wie vor existente antisemitische Bedrohung dient, aus. Israel ist die logische Konsequenz aus der Shoa – auch, dass es einen solchen Schutzraum für Jüdinnen und Juden in aller Welt gibt haben wir dem Kampf der Alliierten gegen Deutschland zu verdanken.
Dort, wo eine Israel oder Royal Air Force Fahne unter den beschriebenen Umständen noch immer für Entsetzen und Unverständnis sorgt, sollte man sich die Frage stellen, wie viel das eigene Handeln noch mit linksradikaler Politik zu tun hat und inwieweit man inzwischen zu nichts Anderem als dem verlängerten Arm der ortsansässigen SPD verkommen ist.

Beteiligt euch an den Protesten gegen die revisionistischen Gedenkveranstaltungen rund um den 13. und 14. Februar in Dresden!
Bürgerliches Gedenken stören, die Naziaufmärsche verhindern!
Keine Versöhnung mit Deutschland!





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